

Der erste Satz ist der wichtigste, denkst du dir, während du durch die Ruinen dieser Stadt ziehst, obwohl es vielmehr dein eigenes Leben ist, das in Trümmern liegt. Du musst Kämpfen, für das, was du haben willst. Dass dir niemals jemand etwas schenken wird. Eine Lektion, die dich dein Leben bisher begleitet hat und du auch jetzt merkst, wie viel Kraft dir diese Sätze weiterhin geben. Dabei hast du eigentlich nie gewusst, was das überhaupt als Wort bedeutet, aber dennoch haben sie dich geprägt, hat dich zu dem gemacht, was du jetzt bist. Alles was einmal unser war, wird von uns abfallen. Aber auch alle Sorgen, alle Qualen. Wir werden uns gegen uns selbst verschwören, wie alle Geister dies tun. Der erste Schritt zum Verfall, den ihr in euren Reihen beobachten konntet. Eine Generation, eine ganz Gesellschaft, die sich in Blindheit verkriechte. Viel mehr noch: Wir werden Krieg gegen uns selbst führen! Wenn wir am Boden sind, werden wir einfach liegen bleiben und das wird unser größter Trost sein. Wir werden die Augen schließen und ein Feuerwerk in der Nacht sehen. Alles in uns und um uns herum wird explodieren. Alle Türen werden durch Zauberhand geöffnet werden und kein Wille wird triumphieren. Wir werden irre sein, wir werden zornig sein, und wir werden den Leugnern in ihre Gesichter spucken. Wir werden im Besitz der magischen Formel sein: FUCK IT ALL.
Nun stehst du einsam am Rand und siehst, wie die Menschen sich langsam um dich herum versammeln, dich einkesseln, dir keine Möglichkeit zu Flucht bieten. Dass dieser Moment irgendwann einmal kommen wird, war dir klar, doch wo damals noch Suizid ein Versuch zur endgültigen Freiheit war, sind jetzt verschlossene Türen. Die Zweifel haben sich in dir verfestigt. Die Zweifel, an den Dingen, an die du früher einmal geglaubt hast. Die Zweifel, die letztendlich deine Stadt hier zum Einsturz gebracht haben und dir nun gegenüberstehen. Du spürst jeden einzelnen der kleinen Steine unter deinen Schuhen, hörst wie sie aneinander reiben, während sich deine Füße tiefer in ihnen vergraben, um noch ein wenig Halt zu erlangen. Er hat sich angekündigt und jetzt bist du froh, dass er hier ist. Der Moment, in dem du ein letztes Mal gegen die Übernahme anspringst. Ein einziges Mal noch, die letzten Energien sammeln, immer mit der Resignation im Hinterkopf, dass deine Jugend längst vorbei ist und sich die Stadt, die du dir damals aufgebaut hast, nicht mehr besteht und nur noch in Trümmern liegt. Aus einem Individuum ist ein Teil der Masse geworden. Deine eigene Welt wird nicht mehr gebraucht, weil sie dir eh diktiert wird und du am ende mit dem Gesicht im Staub liegst, dein Mund sich mit dem eisigen Geschmack füllt. Der Schlaf der lebenden Toten. Du bist angekommen und vergisst, dass der letzte Satz der wichtigste sein muss, weil der erste schon längst keine Gültigkeit mehr besitzt. „lass die spiele beginnen.“


